Die Website www.hengelhaupt.de besteht seit 1997. Eine Datei, die ich für den Deutschunterricht erstellt habe, soll erhalten bleiben, weil viele Nutzer sie regelmäßig aufrufen:
In der Literaturwissenschaft und der Germanistik wird heute die Erzähltheorie favorisiert, die sich an den Begriffen Gérard Genettes orientiert. Im Deutschunterricht der Oberstufe wird hingegen meist noch die inzwischen als überholt geltende, weil unterkomplexe Erzähltheorie Franz K. Stanzels verwendet. Das zeigt schon ein Blick in die aktuellen Deutschlehrbücher der Oberstufe. Auf dieser Seite wird die Begrifflichkeit Gérard Genettes erläutert; in der Sektion ‚Internetadressen‘ werden einige Seiten vorgestellt, auf denen diese Theorie beschrieben wird. Literatur findet man unten auf dieser Seite. Wie man die hier vorgestellten Begriffe für eine Interpretation gewinnbringend einsetzen kann, zeigt Markus Hengelhaupt in einem Aufsatz auf seiner Website: Interpretation von Georg Heyms Erzählung ‚Der Irre‘.
Grundlage
Der Autor erfindet einen Erzähler, der dem Leser die Erzählung präsentiert. Um diesen Erzähler zu verstehen, unterscheidet Gérard Genette mehrere Fragen:
Das Rad an meines Vaters Mühle brauste und rauschte schon wieder recht lustig…
Das Possessivpronomen ‚mein‘ zeigt dem Leser sogleich die Erzählerposition an.
Diese drei Begriffe sind zwar recht ungewöhnlich, aber sie schaffen Klarheit.
3. Zum anderen kann man die Ebene der Erzählung untersuchen; auch der Begriff des Ortes wird hier verwendet. Hier geht es darum, ob in einer Erzählung eine weitere Erzählung eingefügt ist, wenn der Erzähler dazu ansetzt, eine Geschichte in der Geschichte zu erzählen. Bei einer Binnenerzählung spricht Genette von einer metadiegetischen Erzählung. Am einfachsten verwendet man aber den Begriff der Binnenerzählung.
4. Ein weiterer Aspekt ist die Zeitstruktur der Erzählung (vgl. zum Folgenden Martinez / Scheffel S. 69 ff. und 119 ff.). Hier ist das Verhältnis des Zeitpunkts des Erzählvorgangs zum Zeitpunkt der erzählten Handlung zu beachten, es kann also gefragt werden: Wann wird erzählt, und wann spielt sich die erzählte Handlung in der erzählten Welt ab? Dieser Punkt ist bei jeder Analyse eines narrativen (erzählenden) Textes zu beachten, weil…
Der Erzähler kann theoretisch drei Standpunkte zur erzählten Geschichte einnehmen: Er erzählt entweder Vergangenes, gleichzeitig sich Abspielendes oder Zukünftiges. In den meisten Erzählungen wird retrospektiv erzählt, d.h. es wird Vergangenes dargestellt.
Wer eine Erzählung liest, nimmt zugleich Gegenwärtiges und Vergangenes wahr: Die Handlung wird einerseits aufgenommen, als liefe sie gleichzeitig ab, aber zugleich ergibt sich der Sinn der Handlung nur dadurch, dass sie beim Vorgang des Erzählens bereits abgeschlossen ist.
Zur Zeitstruktur der Erzählung siehe auch die Interpretation von Georg Heyms Erzählung ‚Der Irre‘ auf der Website von Markus Hengelhaupt.
Matias Martinez / Michael Scheffel: Einführung in die Erzähltheorie, 8. Aufl. München 2009
Dieses Buch ist eine gut geeignete und klar lesbare Einführung in das Thema; Genettes Theorie ist hier wesentlich leichter erschließbar als im folgenden Werk des Theoretikers:
Gérard Genette: Die Erzählung, 3. Aufl. München 2010
Albrecht Koschorke: Wahrheit und Erfindung. Grundzüge einer allgemeinen Erzähltheorie,
Frankfurt am Main 2012
Matias Martinez (Hg.): Handbuch Erzählliteratur. Theorie, Analyse, Geschichte. Stuttgart [u. a.] 2011′
Folgende Internetseiten können für eine Einführung in die Erzähltheorie empfohlen
werden:
Zuletzt überprüft im Oktober 2017.
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